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Großstädte in Deutschland - Heilbronn

Heilbronn ist eine kreisfreie Stadt in Baden-Württemberg. Sie liegt am Fluss Neckar und ist das Oberzentrum der württembergischen Region Heilbronn-Franken innerhalb des Regierungsbezirks Stuttgart und gleichzeitig Sitz des Landkreises Heilbronn, von dem sie vollständig umgeben ist. Die ehemalige Freie Reichsstadt und spätere württembergische Oberamts- bzw. Kreisstadt überschritt mit der Eingliederung der Gemeinde Klingenberg zum 1. Januar 1970 die Grenze von 100.000 Einwohnern und wurde damit zur Großstadt. Mit derzeit ca. 120.000 Einwohnern steht Heilbronn an sechster Stelle unter den Großstädten des Landes.

Heilbronn ist bekannt als Stadt des Weins sowie als "Käthchenstadt". Letztere Bezeichnung bekam die Stadt durch das Schauspiel Das Käthchen von Heilbronn von Heinrich von Kleist (aktuell vertritt das Amt des "Käthchen von Heilbronn" die 20jährige Siebenbürgerin Christiane Henrich - Stand: 31. Mai 2004).

Geografie

Heilbronn liegt in einer durch den Neckar gebildeten Talerweiterung am Fuße des Wartbergs (308 m), zu beiden Seiten des Neckars auf einer fruchtbaren Terrassenfläche im nördlichen Zipfel des Neckarbeckens.

Heilbronn gehört mit dem Umland zum nördlichen Bereich des "Verdichtungsraums Stuttgart" (Umfang siehe unter Stuttgart). Die Stadt ist Oberzentrum der Region Heilbronn-Franken und damit eines von insgesamt 14 im Rahmen des Landesentwicklungsplans 2002 des Landes Baden-Württemberg ausgewiesenen Oberzentren. Dieses übernimmt für die Städte und Gemeinden Abstatt, Bad Rappenau, Bad Wimpfen, Beilstein, Brackenheim, Cleebronn, Eberstadt, Ellhofen, Eppingen, Flein, Gemmingen, Güglingen, Ilsfeld, Ittlingen, Kirchardt, Lauffen am Neckar, Lehrensteinsfeld, Leingarten, Löwenstein, Massenbachhausen, Neckarwestheim, Nordheim (Württemberg), Obersulm, Pfaffenhofen an der Zaber, Schwaigern, Siegelsbach, Talheim, Untergruppenbach, Weinsberg, Wüstenrot und Zaberfeld auch die Aufgaben des Mitteilbereichs.

Geschichte

Erste Besiedlung

Die ältesten menschlichen Spuren in und um Heilbronn datieren bis in die Altsteinzeit (30.000 v. Chr.) zurück. Die fruchtbaren Neckarauen des Heilbronner Beckens förderten früh die Besiedlung durch Ackerbauern und Viehzüchter. Das heutige Stadtgebiet enthält auch zahlreiche bronzezeitliche Fundstellen. Später, aber noch in vorchristlicher Zeit haben die Kelten hier Salz aus Sole gewonnen.

Unter dem römischen Kaiser Domizian (81-96 n. Chr.) wird im heutigen Stadtteil Böckingen ein römisches Kastell errichtet. Die Römer waren vom Rhein aus westwärts vorgedrungen und als Außengrenze des römischen Reichs entstand der Neckarlimes mit weiteren Befestigungen in Wimpfen und um 150 n. Chr. in Jagsthausen. In der Umgebung entstehen zahlreiche weitere römische Villen und Gutshöfe.

Um 260 n. Chr. zerfällt der Neckarlimes und die Alemannen beherrschen das Neckarbecken. Zwischen dem 4. und 7. Jahrhundert kommt das Gebiet zum Fränkischen Reich und es entsteht die erste Siedlung im Bereich der heutigen Kernstadt.

Erste urkundliche Erwähnung

741 wird Heilbronn als villa Helibrunna sowie eine Michaelsbasilika in einer Schenkungsurkunde des Bistums Würzburg erstmals urkundlich erwähnt. König Ludwig der Deutsche hielt im Jahr 841 hier Hof. Der Name Heilbrunna deutet auf einen unweit der Basilika gelegenen Brunnen hin.

Um das Jahr 1050 wird eine bedeutenden Ansiedlung von Juden urkundlich erwähnt. Im Hirsauer Codex wird 1146 die Markt- und Münzgerechtigkeit festgehalten, ebenso ist darin die Existenz eines Hafens sowie der Weinbau in Heilbronn nachweisbar.

Deutscher Ritterorden und Stadtrecht

1225 wird Heilbronn als oppidum Heilecbrunnen Teil des Stauferreichs. "Oppidum" bezeichnet eine von Mauern und Gräben befestigte Stadt. Das älteste Stadtsiegel datiert aus dem Jahr 1265. Während des 13. Jahrhunderts erhält auch der Deutsche Ritterorden im Süden von Heilbronn ein großes Gebiet, das erst 1805 säkularisiert werden sollte. Der Orden errichtet darauf ab 1268 den Deutschhof als Hauskommende. Die darin gelegene Deutschordenskirche wurde kontinuierlich ausgebaut (1350 gotische Erweiterung, 1719 Barockisierung, 1977 Weihe zum Deutschordensmünster).

1281 verleiht König Rudolf I. nach dem Untergang der Staufer Heilbronn ein neues Stadtrecht und setzt einen königlichen Vogt als Herrscher ein. Daneben gibt es einen Rath mit einem Schultheißen an der Spitze. Um 1300 wurde erstmals ein Rathaus mit Markplatz errichtet und die Kilianskirche auf den Überresten der früheren Michaelsbaslika erweitert. Das Neckarprivileg regelte ab 1333, dass die Stadt den Lauf des Flusses ändern konnte, wodurch neue Stauwehre, Hafenanlagen und Mühlen entstanden. Im Verlauf des 14. Jahrhunderts wurde die Stadt dadurch zunehmend attraktiv für Handwerker und Kaufleute, deren Einfluss ständig wuchs, und die Mitbestimmung forderten.

1371 erhielt die Stadt eine neue Verfassung durch Kaiser Karl IV. Die Stadt war damit nur noch dem Kaiser unterstellt und somit Freie Reichsstadt, dem Rat der Stadt gehörten nunmehr auch Vertreter von Handwerkern und Kaufleuten an. Neben der eigentlichen Stadt Heilbronn gehörten zum reichsstädtischen Territorium auch die Dörfer Böckingen, Flein, Frankenbach und Neckargartach.

Als Freie Reichsstadt sah sich Heilbronn ständig vom zu dieser Zeit aufstrebenden Haus Wirtemberg bedroht. Ein äußerst enges Verhältnis zum Kaiser sowie ab 1417 ein bis 1622 gültiges Bündnis mit der Kurpfalz festigten die Stellung gegenüber den späteren Württembergern. Die politische Stabilität des 15. Jahrhunderts bedingte eine weitere Blüte der Stadt. Zahlreiche historische Bauten gehen auf diese Periode zurück, z.B. die abermalige Vergrößerung der Kilianskirche 1455-1460.

Zeit der Bauernkriege und Reformation

1519 wird Götz von Berlichingen für 3 Jahre in Heilbronn in "ritterliche Haft" genommen und verbringt auch eine Nacht im Bollwerkturm. Im selben Jahr tritt erstmals der Böckinger Gastwirt Jäcklein Rohrbach in Erscheinung, der mit Komplizen den Böckinger Schultheiß Jakob von Olnhausen erschießt. Nachdem er sich einige Zeit in Hohenlohe aufgehalten und Gleichgesinnte um sich gesammelt hatte, kehrt er im April 1525, inmitten des Bauernkriegs, nach Heilbronn zurück. Am 16. April ermorden die Bauern zahlreiiche Adlige in Weinsberg, am 18. April wird das Heilbronner Karmeliterkloster überfallen und geplündert. Der Rat der Stadt öffnet unter dem Druck der Bauern die Stadttore, worauf am kommenden Tag weitere Kirchen und städtische Einrichtungen geplündert wurden. Für etwa einen Monat bleibt Heilbronn in der Hand der aufständischen Bauern, die trotz der Intervention des späteren Heilbronner Reformators Johann Lachmann erst nach der Niederlage eines Bauernheers am 12. Mai 1525 in Böblingen aus Heilbronn abziehen. Anführer Rohrbach wird am 21. Mai 1525 in Neckargartach hingerichtet, sein Heimatdorf Böckingen wird zur Strafe teilweise niedergebrannt.

1528 wird in Heilbronn durch die Ablösung des Bürgermeisters durch den Protestanten Hans Riesser die durch den Bauernkrieg zuvor verzögerte Reformation vollzogen. Durch Reformator Lachmann werden in der Folge auch das Schul- und Krankenwesen in Heilbronn neu organisiert. 1529 wird der Kiliansturm fertig gestellt. Er ist das erste bedeutende Bauwerk der Renaissance in Deutschland. 1530 bekennen sich Rat und Bürgerschaft zur Augsburger Konfession. Der auf Johann Lachmann zurückgehende "Heilbronner Katechismus" von 1536 ist der zweitälteste der evangelischen Kirche. 1538 tritt Heilbronn dem Schmalkaldischen Bund bei.

Im Jahr 1546 kam es zu kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen den Truppen der Schmalkaldener und den Truppen Kaiser Karls V., die von den den Kaisertruppen gewonnen werden. Der Kaiser hält sich infolgedessen zu Weihnachten 1546 zum Strafgerichtstermin in Heilbronn auf. Karl V. ist es auch, der im Jahr 1552 die Ratsverfassung der Stadt neu regelt, die beinahe unverändert bis 1803 Bestand haben sollte.

Dreißigjähriger Krieg

Während des Dreißigjährigen Kriegs leiden die Stadt und ihre Dörfer stark. Nach der Schlacht bei Wimpfen wird 1622 Neckargartach niedergebrannt. 1631 wird Heilbronn von Truppen des Kaisers besetzt, aber noch im selben Jahr, gelingt es den Schweden, die Stadt einzunehmen. Von 1634 bis 1647 ist die Stadt wieder in der Hand kaiserlicher Truppen, danach zogen französische und anschließend kurpfälzische Truppen ein. Erst vier Jahre nach dem westfälischen Frieden von 1648 ziehen die letzten Besatzungstruppen aus Heilbronn ab, doch bereits in den 1670er Jahren wurde die Stadt wieder zum Schauplatz für Aufmärsche von Armeen der Franzosenkriege, bis sie im Jahr 1688 gar von den Franzosen besetzt wurde. Die französische Besatzung der Stadt endet zwar binnen weniger Monate, die Franzosen können aber erst durch den Aufmarsch eines großen Heeres 1691 sowie durch den Bau von Verteidigungsanlagen 1693 auch aus dem Umland vertrieben werden.

Übergang zu Württemberg

Im 18. Jahrhundert erlebt das Bürgertum eine Blüte in Heilbronn. In den Stadtarchiven ist überliefert, dass im 18. Jahrhundert fast alle Ratsmitglieder der Stadt über akademische Bildung verfügen. Nun halten sich hier auch Schiller und Goethe auf und es entstehen prachtvolle Bauten.

Am 9. September 1802 endet die Reichsfreiheit der Stadt Heilbronn mit dem Einmarsch der Truppen des Herzogs von Württemberg. Als Folge der Erbfolgekriege hatte dieser seine auf dem linken Rheinufer gelegenen Ländereien an Frankreich abtreten müssen, war aber dafür mit dem Zuschlag der vormals Freien Reichsstadt entschädigt worden. Heilbronn kommt so 1803 an Württemberg und wird Sitz eines Oberamtes, die 4 reichsstädtischen Dörfer werden selbständige Gemeinden innerhalb des neuen Oberamtes.

Im Jahr 1815 wird Heilbronn wieder zum Aufmarschplatz für große Truppenverbände vor dem Feldzug gegen Napoleon. Auf der Theresienwiese findet eine Parade von 10.000 Mann statt, wobei Kaiser Franz von Österreich und 126 deutsche Fürsten und Generale anwesend sind. Zar Alexander von Russland trifft in Heilbronn die baltische Baronin Juliane von Krüdener, die ihn zur Gründung der "Heiligen Allianz" bekräftigt.

Industrialisierung

Ab 1820 setzt die Industrialisierung ein, die ab 1848 mit der Eröffnung der Eisenbahnlinie nach Stuttgart rasch an Aufschwung gewinnt.

Im Jahr 1848 hat Heilbronn aber auch vorübergehend unter den Wirren der Revolution zu leiden. Das 8. Württembergische Infanterieregiment läuft zu den Aufständischen über und wird anschließend entwaffnet und strafversetzt. Die Heilbronner Bürgerwehr kämpfte im badisch-pfälzischen Freiheitskampf.

Die Bahnlinie nach Stuttgart wurde über Ulm an den Bodensee fortgeführt und war bald die wichtigste Bahnlinie im Land. In den 1860er Jahren erfolgt dann der Bau der Bahnlinie von Heilbronn über Bad Wimpfen nach Heidelberg. Ende des 19. Jahrhundert ist Heilbronn ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt und nach Stuttgart die zweitgrößte Industriestadt des Königreichs Württemberg.

Im Jahr 1892 erfolgt der Anschluss der Stadt an das Stromnetz des Elektrizitätswerks in Lauffen. Heilbronn hat damit als erste Stadt der Welt die Fernversorgung mit Strom aufgenommen.

Drittes Reich und Zweiter Weltkrieg

Unter den Einwohnern Heilbronns um 1900 waren nach fast einem Jahrhundert wirtschaftlichen Aufschwungs und Wachstums der örtlichen Industrie sehr viele Arbeiter. Heilbronn galt als "rote Hochburg", es entstanden zahlreiche Arbeiter- und Sportvereine. Bereits vor dem Ersten Weltkrieg erzielte bei der Reichstagswahl in Heilbronn die SPD den höchsten Stimmenanteil und konnte diesen in den Zeit der Weimarer Republik auch halten. Hitler war bei seinem Besuch in der Stadt am 15. Mai 1926 kein gern gesehener Gast und es kam zu einem Handgemenge mit mehreren Verletzten. Noch bei der Reichstagswahl am 5. März 1933 erhielt die SPD in Heilbronn mehr Stimmen als die NSDAP.

NSDAP-Kreisleiter in Heilbronn war seit 1932 Richard Drauz, Sohn einer angesehenen Heilbronner Familie, der ab 1933 auch dem Reichstag angehörte, und der energisch die Gleichschaltung der Heilbronner Vereine und der Presse vorantrieb.

1935 wurde der Kanalhafen am Neckar eröffnet, und ein Jahr später wird die Autobahn nach Stuttgart fertig gestellt. Wirtschaft und Verkehr in Württemberg florieren und Heilbronn liegt im Schnittpunkt der neuesten und schnellsten Verkehrsachsen.

Nach Auflösung der württembergischen Oberämter 1938 wird Heilbronn Sitz des neuen Landkreises Heilbronn. Die Stadt selbst scheidet aus dem Landkreis Heilbronn aus und wird kreisfrei. Die Stadtteile Böckingen, Sontheim und Neckargartach werden zum 1. Oktober 1938 eingemeindet. Mit 72.000 Einwohnern ist Heilbronn somit die zweitgrößte Stadt in Württemberg nach Stuttgart. Der Kanalhafen wird wichtiger Umschlagplatz am Neckar und zählt zu den zehn größten deutschen Binnenhäfen.

Am 10. November 1938 wird die Heilbronner Synagoge zerstört. Im Lauf des Jahres 1939 wird die jüdische Gemeinde in Heilbronn praktisch ausgerottet.

Ab 1942 werden in den Salzbergwerken in und um Heilbronn Kunstschätze aus Deutschland, Frankreich und Italien eingelagert. Ebenso werden rüstungswichtige Betriebe in die Bergwerksstollen verlagert. Der Ausbau der Stollen wird durch Kommandos der Konzentrationslager-Außenstellen in Kochendorf und Neckargartach übernommen. Von Heilbronn bis Neckarelz entsteht so eine Vielzahl teilweise gigantischer unterirdischer Anlagen. Das Arbeitsamt Heilbronn meldete in seinem Bezirk zum 20. November 1942 knapp 8.000 Zwangsarbeiter.

Bei einem Bombenangriff am 4. Dezember 1944 wird die Innenstadt völlig zerstört und die umliegenden Dörfer erheblich beschädigt. Innerhalb einer halben Stunde sterben 6.500 Menschen, von denen über 5.000 in Massengräbern im stadtnahen Köpfertal, dem heutigen Ehrenfriedhof, beigesetzt wurden. Insgesamt schrumpfte die Bevölkerung während des Krieges auf 46.350 Einwohner.

Nach zehntägigem Kampf um die strategisch wichtige Überquerung des Neckars der von Westen vorrückenden Alliierten endet der Zweite Weltkrieg für die zerstörte Stadt am 12. April 1945 mit der Besatzung durch US-Truppen. Gauleiter Drauz hält auf seiner Flucht zahlreiche Standgerichte und wird dafür im Dezember 1946 in Landsberg gehängt.

Gegenwart

Nach Kriegsende wird Emil Beutinger, der bis 1933 Bürgermeister gewesen war, wieder in sein Amt eingeführt und beginnt sofort mit dem Wiederaufbau, der durch seine Nachfolger Paul Metz und Paul Meyle fortgeführt wurde. 1953 kann das wiederaufgebaute historische Rathaus eingeweiht werden, 1958 die städtische Festhalle "Harmonie".

Ab 1951 sind US-Truppen fest in Heilbronn stationiert. Diese nutzen bestehende Kasernen aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg und errichten auch eigene Anlagen.

Die Einweihung der Autobahn von Heilbronn nach Mannheim im Jahr 1968 setzt wichtige wirtschaftliche Akzente für Heilbronn. Die Autobahn nach Würzburg folgt 1974, nach Nürnberg 1979. Heilbronn wird zu einem wichtigen Verkehrsknotenpunkt in Südwestdeutschland, zahlreiche Großbetriebe siedeln sich entlang der neuen Verkehrsadern an.

Durch die Eingemeindung von Klingenberg am 1. Januar 1970 hat Heilbronn über 100.000 Einwohner und wird damit Großstadt.

Bei der Kreisreform zum 1. Januar 1973 bleibt Heilbronn selbst kreisfrei und auch Sitz des nunmehr vergrößerten Landkreises Heilbronn. Sie wird ferner Sitz der neu gebildeten "Region Franken" (heute Region Heilbronn-Franken).

In den 1970er Jahren erfolgt auch die Umgestaltung der Innenstadt zur Fußgängerzone. Die Einweihung des Stadttheaters im Jahr 1982 schließt eine der größten durch den Zweiten Weltkrieg entstandenen städtebaulichen Lücken in der Innenstadt.

Der Nato-Doppelbeschluss führt ab 1983 zur Stationierung von Pershing-II-Atomraketen auf der Heilbronner Waldheide. Die Raketenbasis rückt 1985 weiter in das Zentrum der Beachtung der bundesdeutschen Friedensbewegung, nachdem bei einem Unfall beim Verladen einer Rakete sechs US-Soldaten zu Tode gekommen waren. In der Folge wird Heilbronn Ziel von vielen Friedensmärschen. Erst 1992 ziehen die Amerikaner aus Heilbronn ab und die Stadt übernimmt 300 Hektar vormals militärisch genutzte Flächen.

Ab 1998 erfolgt der Anschluss der Stadt an das Nahverkehrs-Netz der Stadtbahn nach Karlsruhe. Hierfür wurde die Innenstadt abermals großflächig umgestaltet.

Religionen

Der Neckarraum wurde während der Besiedlung durch die Franken unter Chlodwig um das Jahr 500 christlich. Mit der ersten urkundlichen Erwähnung des Stadtnamens wird im Jahr 741 auch eine christliche Michaelsbasilika (heute: Kilianskirche) erstmals in Heilbronnn erwähnt. Der Deutsche Ritterorden errichtet ab dem 13. Jahrhundert eine Ordenskirche in Heilbronn. Beide Kirchen werden kontinuierlich ausgebaut, und es folgen weitere Kirchen- und Klosterbauten auf dem heutigen Stadtgebiet.

Um das Jahr 1050 wird urkundlich auch eine bedeutende Judensiedlung in der Judengasse (heute: Lohtorstraße) genannt. Im Jahr 1298 werden beim so genannten Rintfleisch-Pogrom 143 Juden ermordet. Um 1350 kommt es im Zuge der Pest-Epidemie in Europa erneut zu Ausschreitungen gegen die Heilbronner Juden. Das Stadtrecht von 1361 gemahnt den Stadtrat, Juden in der Stadt aufzunehmen. Bereits in der Mitte des 15. Jahrhunderts herrscht in Heilbronn jedoch wieder Missgunst gegen Juden, die ab 1490 mit Zustimmung Kaiser Friedrichs III. aus der Stadt gewiesen werden.

Heilbronn gehörte zum Bistum Würzburg, die reichsstädtischen Dörfer Böckingen, Neckargartach und Frankenbach zum Bistum Worms. Ab 1514 war der gebürtige Heilbronner Johann Lachmann Pfarrverweser in St. Kilian. 1521 wurde er Prediger, ab 1524 vertrat er Luthers Thesen und führte fortan die Reformation in Heilbronn gegen den Widerstand der Bistümer durch. Nachdem 1528 in Heilbronn die Reformation abgeschlossen war, blieb die Reichsstadt über Jahrhunderte eine protestantische Stadt. Der Rat und die Bürgerschaft bekannten sich geschlossen zum Protestantismus. Katholiken waren unerwünscht, Juden war es verboten, sich in Heilbronn niederzulassen.

Mit dem Zeitalter der Aufklärung zog Glaubensfreiheit in Heilbronn ein. Seit 1803 durften sich Juden wieder in Heilbronn ansiedeln und ab dem frühen 19. Jahrhundert zogen auch Katholiken in die Stadt. Juden wurden in den 1860er Jahren rechtlich wieder anderen Bürgern gleichgestellt.

Nach dem Übergang an Württemberg 1803 wurde die Stadt Sitz eines Dekanats und einer Prälatur ("Sprengel" Heilbronn mit einem "Regionalbischof") der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Protestanten stellen bis heute die Bevölkerungsmehrheit. Die katholischen Gemeinden gehören zum Dekanat Heilbronn der Diözese Rottenburg-Stuttgart.

Um das Jahr 1920 bildeten sich in Heilbronn erste Gruppen der "Ernsten Bibelforscher" (heute: Zeugen Jehovas). Die relativ kleine Gemeinde wird während des Nationalsozialismus angefeindet, zahlreiche Gemeindemitglieder sterben in Konzentrationslagern.

Die etwa 350 Personen umfassende jüdische Gemeinde muss im November 1938 mit ansehen, wie ihre prachtvolle Heilbronner Synagoge in Flammen aufgeht. Im Zuge der anschließenden Judenverfolgung wird die jüdische Gemeinde praktisch ausgerottet.

Die Zeugen Jehovas errichten 1953 in Heilbronn wieder einen Versammlungssaal, dem zahlreiche weitere Säle bis in die Gegenwart folgen.

Durch die starke Ansiedlung von Gastarbeitern und Übersiedlern aus islamischen oder russisch-orthodoxen Ländern stellen solche Glaubensrichtungen seit den 1970er Jahren einen wachsenden Bevölkerungsanteil. Im Stadt- und Landkreis Heilbronn sind seit den 1990er Jahren zahlreiche islamische Moscheen entstanden.

Wappen

Das Wappen der Stadt Heilbronn zeigt in Gold den rot bewehrten und rot bezungten schwarzen Reichsadler, belegt mit einem von Rot, Silber und Blau geteilten Brustschild. Die Stadtflagge ist Rot-Weiß-Blau

Der Adler ist das Symbol der Reichsfreiheit, welche die Stadt Heilbronn bis 1803 genoss, bevor sie zum Herzogtum bzw. Königreich Württemberg kam. Zur Unterscheidung von anderen Adlerdarstellungen tauchte seit 1556 der Brustschild auf, dessen Farbgebung allerdings bis heute nicht geklärt werden konnte und auch in verschiedenen Kombinationen vorkam. Auch die sonstige Farbgebung des Wappens war teilweise anders (Weiß statt goldener Hintergrund).

Wirtschaft und Infrastruktur

Verkehr

Östlich von Heilbronn verläuft die Bundesautobahn A 81 Stuttgart-Würzburg. Sie kreuzt bei Weinsberg ("Weinsberger Kreuz") die Autobahn A 6 Mannheim-Nürnberg. Über beide Autobahnen ist die Stadt Heilbronn gut zu erreichen. Durch die Stadt selbst führen die Bundesstraßen B 27 Stuttgart-Würzburg, die B 39 Mannheim-Schwäbisch Hall und die B 293 Karlsruhe-Heilbronn.

Heilbronn liegt auch an verschiedenen Bahnlinien (Stuttgart-Würzburg und Stuttgart-Heilbronn-Heidelberg). Ferner gibt es eine Bahnlinie über Eppingen und Bretten nach Karlsruhe bzw. über Öhringen nach Schwäbisch Hall. Von Karlsruhe kommend verkehren Stadtbahnen der dortigen Albtal-Verkehrsgesellschaft. Die Linien führen derzeit von Karlsruhe kommend über den Hauptbahnhof durch die Heilbronner Innenstadt und sollten ursprünglich bis 2003 bis nach Öhringen verlängert werden. Aufgrund von massiven Verzögerungen beim Neubau der Strecke durch das Heilbronner Stadtgebiet und bei der Sanierung und Elektrifizierung der bestehenden Strecke von Heilbronn nach Öhringen wird sich die Erweiterung des Stadtbahnnetzes voraussichtlich bis weit ins Jahr 2005 verzögern. Für die Zukunft sind außerdem weitere Stadtbahnlinien nach Neckarsulm, Lauffen am Neckar und Zaberfeld geplant.

Den sonstigen öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) im Stadtgebiet bedienen Busse der Stadtwerke Heilbronn (Verkehrsbetriebe) und verschiedene andere Verkehrsunternehmen.

Medien

Heilbronn ist Sitz eines Studios des Südwestrundfunks (SWR). Von hier wird das Regionalprogramm "Frankenradio" ausgestrahlt. Als Tageszeitung erscheint in Heilbronn die Heilbronner Stimme.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Theater

  • Stadttheater Heilbronn, erbaut 1982 mit wechselnden Darbietungen

Orchester

  • Württembergisches Kammerorchester e.V. Heilbronn - Das 1961 von Jörg Faerber gegründete Orchester spielt hauptsächlich Musik des Barock und der Klassik.

Museen

  • Naturhistorisches Museum
  • Neckarschiffahrtsmuseum
  • Städtische Galerie Deutschhof

Bauwerke

  • Alter Handkran
  • Bollwerksturm
  • Deutschhof
  • Festhalle "Harmonie"
  • Gerichts- und Fleischhaus
  • Götzenturm
  • Hafenmarktturm
  • Haus Zehender am Marktplatz
  • Käthchenhaus am Marktplatz
  • Kirchen:
    • Deutschordensmünster
    • Kilianskirche (evang.) - Wahrzeichen der Stadt mit Hochaltar von Hans Seyfer
    • Nikolaikirche
  • Rathaus
  • Schießhaus
  • Trappenseeschlößchen

Sonstige Sehenswürdigkeiten

  • Alter Friedhof (angelegt 1530, Park seit 1882)
  • Aussichtsturm auf dem Wartberg
  • Ehrenfriedhof für die Opfer des Fliegeangriffs am 4. Dezember 1944
  • Fleinertorbrunnen
  • Robert-Mayer-Denkmal am Eingang zum Stadtgarten
  • Siebenröhrenbrunnen

Regelmäßige Veranstaltungen

  • Februar: Pferdemarkt
  • Juni: Trollinger Marathon
  • Juli: Gaffenberg Festival
  • Juli/August: "Unterländer Volksfest"
  • September: "Heilbronner Weindorf"
  • Oktober: Hafenmarkt
  • November/Dezember: Weihnachtsmarkt um die Kilianskirche
  • im 4-Jahres-Turnus: "Neckarfest"

Söhne und Töchter der Stadt

  • Jäcklein Rohrbach, Böckinger Bauernführer im Bauernkrieg; hingerichtet 1525 in Neckargartach
  • 1491 Johann Lachmann; † 1538/39 in Heilbronn, Reformator
  • 1751 Heinrich Friedrich Füger; † 1818 in Wien, Maler
  • 1804 Wilhelm Waiblinger; † 1830 in Rom, Dichter und Schriftsteller
  • 1814, 25. November, (Julius) Robert von Mayer; † 20. März 1878 in Heilbronn, Mediziner, Entdecker des Gesetzes von der Erhaltung der Energie
  • 1821, 25. August, Ludwig Pfau; † 1894 in Stuttgart, Dichter
  • 1838, 24. Juni, Gustav von Schmoller; † 27. Juni 1917 in Bad Harzburg, Nationalökonom
  • 1846, 9. Februar, Wilhelm Maybach; † 29. Dezember 1929 in Stuttgart, Ingenieur und Autopionier (entwickelte zusammen mit Gottlieb Daimler den ersten schnelllaufenden Benzinmotor)
  • 1865, 13. Januar, Peter Bruckmann; † 1937, Kunsthandwerker, Vorsitzender des Deutschen Werkbundes 1909-1919
  • 1886 Hellmuth Hirth; † 1. Juli 1938, Flugpionier, Flugzeug- und Luftschiffkonstrukteur
  • 1903 Victoria Wolff; † 16. September 1992, Schriftstellerin
  • 1908 Walter Vielhauer, KPD-Funktionär und Antifaschist
  • 1923, 30. März, Herbert Asmodi, Dramatiker, Drehbuchautor ("Jenseits vom Paradies", "Räuber und Gendarm, eine Moritat")
  • 1924, 30. Mai, Kurt Rebmann, Generalbundesanwalt beim Bundesgerichtshof (1977-1990)
  • Ingeborg Pilgram-Brückner, Kinderbuch-, Theater- und Hörspielautorin
  • 1939, 31. Mai, Klaus Zwickel, Vorsitzender der Gewerkschaft IG Metall 1993-2001
  • 1980, Sibel Kekilli, Schauspielerin, 2004 goldener Bär bei der Berlinale für eine Hauptrolle in "Gegen die Wand"
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